Vier wertvolle Schriftrollen sind aus dem Bestand der Mainzer Martinus-Bibliothek nach Israel zurückgekehrt

Leor Jacobi erhält die Rollen aus der Hand Dr. Helmut Hinkels. (Foto: Alexandra Nusser)

In einer gestrigen Feierstunde hat Leor Jacobi von der Bar-Ilan Universität Jerusalem vier wertvolle Schriftrollen im Namen der Nationalbibliothek Israel erhalten. Die Rollen wurden von Dr. Helmut Hinkel überreicht, dem Bibliotheksdirektor der Martinus-Bibliothek in Mainz.

Während seines ReIReS Stipendiums an der Johannes Gutenberg Universität Mainz war Leor Jacobi auf die Schriftrollen im Bestand der Martinus-Bibliothek gestoßen. Die Rollen stammen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert und waren in den 1960-er Jahren in Israel von Prof. Dr. Nikolaus Adler (1902-1970) gekauft worden, einem katholischer Priester, mit dessen Nachlass sie in die Martinus-Bibliothek kamen. Jacobi identifizierte sie als zwei aschkenasische Ester-Rollen und eine samaritanische Genesis-Schriftrolle. Als der Direktor der Bibliothek von Jacobis wissenschaftlicher Beschäftigung mit den Manuskripten hörte, entschloss er sich, die Schriftrollen der Nationalbibliothek Israel zu schenken, ebenso wie eine weitere Rolle mit dem Text des Hohenlieds.

Dr. Yoel Finkelman, Kurator der Judaica-Sammlung der Nationalbibliothek Israels: "Die Schriftrollen werden einen bedeutenden Beitrag zu unserer bestehenden Sammlung von etwa 200 Esther-Rollen aus dem 15. bis 20. Jahrhundert aus Europa bis hin zum Jemen, Iran, Irak und Nordafrika sowie acht samaritanischen Thora-Rollen (13. bis 20. Jahrhundert) leisten".

Dr. Hinkel freute sich, dass die Handschriften in Israel nun aus ihrem “Dornröschenschlaf” befreit werden: “Hier gehörten sie nicht zum organischen Bestand der Bibliothek und waren bibliothekarisch gar nicht erfasst worden. In der Israelischen Nationalbibliothek werden sie nun ihrem Wert gemäß geschätzt sowie wissenschaftlich bestimmt und zugänglich gemacht.”

Die Übergabe wurde von Fachvorträgen begleitet; zum Abschluss der Feierstunde sang Leor Jacobi aus den Texten zweier Rollen, so dass die Zuhörer in den Genuss jüdischen rituellen Gesanges kamen.

Prof. Dr. Claus Arnold, Dr. Helmut Hinkel, Leor Jacobi, Alexandra Nusser und Prof. Dr. Andreas Lehnardt (v.l.n.r.). (Foto: Alexandra Nusser)
Leor Jacobi singt aus der Samaritanischen Genesis-Rolle. (Foto: Alexandra Nusser)