Am 19. Mai 2026 fand der 10. Studientag der Evangelisch-Theologischen und der Katholisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt. Der TheMa-Tag („Theologie in Mainz“) stand in diesem Jahr unter dem Titel „Gefährliches Buch!? Zum Verhältnis von Bibel und Ethik“ und widmete sich der Frage, wie biblische Texte heute verantwortungsvoll gelesen und ethisch reflektiert werden können.

Nach der Begrüßung durch den Dekan Prof. Dr. Konrad Huber eröffneten zwei Impulsvorträge den Studientag. Prof. Dr. Thomas Hieke warnte davor, die Bibel lediglich als Sammlung von Zitaten zur Stützung ideologischer Positionen zu verwenden. Aufgrund der historischen und kulturellen Distanz könne sie nicht einfach direkt auf heutige Fragestellungen übertragen werden.

Vielmehr stelle die Bibel einen Vorrat an Lebenserfahrungen und Sinnpotentialen bereit, deren Bedeutung von den Leser:innen erschlossen werde. Abschließend skizzierte Hieke drei Schritte eines verantwortungsvollen Umgangs mit biblischen Texten: interpretieren, bewerten und reflektieren.

Der zweite Impulsvortrag von Prof. Dr. Michael Roth beleuchtete die Schwierigkeiten, ethische Positionen unmittelbar mit Bibelstellen zu begründen. Anhand der Themen Klimaschutz und Menschenwürde zeigte er, dass biblische Texte häufig selektiv herangezogen werden, um bereits feststehende Überzeugungen zu legitimieren. Roth hob insbesondere die Historizität, die Autonomie der Ethik sowie den religiösen Charakter der Bibel hervor. Problematisch werde es dort, wo Auslegungsinteressen das Ergebnis der Interpretation vorab bestimmen und biblische Texte dadurch zu Machtinstrumenten werden.

In der anschließenden Diskussion brachten die Zuhörenden unterschiedliche Perspektiven ein. Nach der Kaffeepause wurde das Thema in zwei Workshops vertieft: Prof. Dr. Dorothea Erbele-Küster sprach über „Liebe als Auslegungsprinzip und ethisches Prinzip“, während Dr. Ulrike Peisker sich mit „Machtmissbrauch und Manipulation. Wenn ‚Bibelkenntnis‘ instrumentalisiert wird“ beschäftigte.

Zum Abschluss diskutierten Prof. Dr. Stefan Altmeyer, Prof. Dr. Thomas Hieke, Prof. Dr. Britta Konz und Prof. Dr. Michael Roth auf dem Podium die Frage „Und was machen wir jetzt mit der Bibel? Blickpunkt Schule“. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die Erfahrungen von Schüler:innen mit der Bibel heute sind. Zugleich wurde betont, dass gerade schwierige und problematische Texte im Religionsunterricht behandelt werden sollten, um kritisches Denken zu fördern. Die Pluralität der biblischen Texte könne dabei auch als Chance verstanden werden, mit der Vielfalt religiöser und weltanschaulicher Perspektiven im Klassenzimmer umzugehen.

Der Studientag klang schließlich bei Wein, Saft und Brezeln aus.

Bericht: Paula Schöttke, Fotos:  A. Weiffen / Bistum Mainz und Christina Kreuzwieser